RECON* SPACE

marco und ich haben dem terrain einen namen gegeben: RECON* SPACE. es gibt auch neue renderings von mir und eine dokumentation von marco:

RECON_SPACE_060325.jpg
Quicktime mp4 (11 mb)

RECON* SPACE. Ein interaktives Terrain.
1. Die Arbeit:
RECON* SPACE ist ein interaktives Terrain, das dem Betrachter/Akteur erlaubt, mit Text-Passagen aus dem Kurzgeschichtenband “Der Raumagent” des Cutup Autors Jürgen Ploog zu interagieren. Das Terrain hat eine Grundfläche von 2x1m und steht frei im Raum. Ãœber dem Terrain hängen 6 kleine Lautsprecher, die jeweils in
zufälliger Spielfolge einzelne gelesene Passagen aus den Stories von Ploog wiedergeben. Auf das Terrain werden mit einem Projektor 69 Textpassagen projiziert, die von weitem nur als Textströme zu erkennen sind und nach
physikalischen Regeln auf dem Terrain schweben, bis jemand herantritt. Dort wo ein Besucher steht wird eine Passage dann größer und damit lesbar, sie bleibt für eine Weile stehen, bis sie sich wieder zusammenzieht und einer neuen Passage Platz macht.


Für den Betrachter ergeben sich so immer wieder neue Sinnzusammenhänge und Storyverläufe. Der Text Ploogs wird in das zerlegt, was er einmal war: zerschnittene Passagen – und für jeden Betrachter neu geremixt.
Der Titel der Arbeit verweist sowohl auf die Fähigkeit des Terrains, einen virtuellen (erst literarischen, dann codebasierten) Raum physisch zu rekonstruieren, als auch auf die Agententätigkeit des Auskundschaftens (reconnaissance) und die Tatsache, dass die Veränderungen des Terrains berechnet sind (reckon).
2. Technische Umsetzung:
Das Terrain hat eine Grundfläche von mind. 1,50x1m und max. 3×1,50, durch das verwendete Alu Profil System für den Aufbau ist es in der Größe skalierbar, so dass es auch in kleinsten Galerieräumen Platz findet. Es besitzt eine mind. 5×3 Kachelmatrix. Die quadratischen Kacheln sind jeweils über Federn an ihren Eckpunkten mit einander verbunden. Die einzelnen Federkreuze liegen am Schnittpunkt auf Gewindestangen, die von Aktuatoren auf und ab bewegt werden können.
Die Visualisierung der Textströme erfolgt mittels Processing, für das Verhalten auf dem Terrain und die Reaktion auf die Besucher wurde eigens eine Physik Library in Java geschrieben. Die Aktuatoren werden über Wiring Mikrocontroller Boards ebenfalls aus Processing gesteuert Alle 69 Textpassagen liegen als MP3s vor und werden per Zufall auf den über dem Terrain verteilten Lautsprechern abgespielt. Dadurch entsteht auch ein akustischer
Remix der Passagen.
3. Hintergrund:
RECON* SPACE ist Teil eines weitergefaßten Ausstellungskonzeptes (Räume für Raumagenten), dem Ergebnis der mehrjährigen Beschäftigung von Michael Zöllner und Marco Spies mit dem in Frankfurt lebenden Cutup-Autoren Jürgen Ploog. Unter dem Titel Der Raumagent entwickelten die beiden ein interaktives 3D Hör|Spiel (siehe auch www.raumagent.net), das prototypisch auf verschiedenen 3D Plattformen (Shockwave3D, Quake, Java3D, PJ3D, Avalon) entwickelt wurde. In der Ausstellung werden letztlich nicht die eigentlichen Protoypen gezeigt, vielmehr wird der jeweilige Quellcode einigen Screenshots gegenübergestellt, so dass die, einer jeden Technologie innewohnende, eigene Ästhetik sichtbar wird. Ein weiteres Exponat der Ausstellung wird ein modifizierter Plattenspieler sein, der es erlaubt, durch die Passagen zu scratchen. Grundelement aller Arbeiten ist die Methode des Cutup, übertragen auf das jeweilige Medium. Das Fragmentarische, nie endende, das einer solchen nonlinearen Sichtweise eigen ist, sollte bewußt erhalten bleiben.
Der Prototyp wird zum eigentlichen Ziel. Während das interaktive 3D Hör/Spiel für uns mit der Zeit ein Experimentierraum wurde (für Gameplay Konzepte, generative 3D-Visualisierung, physische Interface-
Studien), der uns immer weiter in neue (Experiment-)Räume springen ließ, scheint es logisch, dass unsere Beschäftigung mit dem Raumagenten in einer physischen Manifestation des Terrains endet. Erst hier wurden Text und Visualisierungskonzepte für uns greifbar. RECON* SPACE bildet die digitalen Welten realistisch nach und ist damit die Befreiung des Raums aus der Virtualität.